Standardsoftware vs. Individualsoftware

Ausarbeitung im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die Wirtschaftsinformatik“, Herbsttrimester 2009

Fakultät für Informatik, Professur für Softwarewerkzeuge und Methoden für integrierte Anwendungen, UniBW München.

vorgelegt von Markus Schiele

Inhaltsverzeichnis

  • AbkĂĽrzungsverzeichnis
  • 1 Die Welt der Anwendungssysteme
  • 2 Grundlagen
  • 2.1 Definition von Software
  • 2.2 Klassifizierung von Software
  • 3 Standard- und Individualsoftware im Vergleich
  • 3.1 Vor- & Nachteile von Standardsoftware
  • 3.2 Vor- & Nachteile von Individualsoftware
  • 4 Software-Entwicklung
  • 4.1 Erschwernisse bei der Software-Entwicklung
  • 4.2 Serviceorientierte Architektur
  • Literaturverzeichnis

Verzeichnis der AbkĂĽrzungen und Akronyme

ERP
Enterprise Resource Planning
IT
Informationstechnologie
SOA
Serviceorientierte Architektur
SOAP
Simple Object Access Protocol

1 Die Welt der Anwendungssysteme

Auf elektronische Datenverarbeitung möchte heutzutage kein Unternehmen mehr verzichten. Bei der Einführung neuer Software wird das Management vor viele Entscheidungen gestellt: »Brauchen wir betriebliche Informationssysteme«; »Sollen wir unsere alten Systeme anpassen oder neue anschaffen?«; »Können wir die neuen Systeme von der Stange nehmen oder müssen wir sie individuell entwickeln lassen?«. Die Entscheidungen bedürfen sorgfältiger Abwägung auf Basis der Anforderungen, zur Verfügung stehenden Mittel bis hin zur Risikobereitschaft. Auch bei der Gestaltung und Integration dieser betrieblichen Anwendungssysteme stoßen sowohl Techniker als auch Anwender auf viele Herausforderungen. Diese Ausarbeitung dient dazu, einige der entscheidenden Aspekte darzulegen und die begleitenden Schritte zu beleuchten.

2 Grundlagen

2.1 Definition von Software

Der Begriff „Software“ ist derart gebräuchlich, dass man gar nicht mehr versucht, ihn zu übersetzen. Software bildet das Komplement zur Hardware, den physischen Komponenten eines Computers. Nach gängiger Definition ist Software: „[…] die zum Betrieb einer Datenverarbeitungsanlage erforderlichen nichtapparativen Funktionsbestandteile“ (Fremdwörter-Duden).

Andere Sichtweisen schließen auch materielle Bestandteile wie z.B.: das Handbuch mit ein: „Menge von Programmen oder Daten zusammen mit begleitenden Dokumenten […]“ (Hesse et. Al 1984)

2.2 Klassifizierung von Software

Software lässt sich unter anderem in folgende Untergruppen gliedern:

Basissoftware, auch Systemsoftware genannt, wird gezielt erschaffen, um den Betrieb der Hardware zu ermöglichen. Hierzu gehört in erster Linie das Betriebssystem, das Anwendungssoftware auf Datenverarbeitungsanlagen überhaupt erst lauffähig macht, sowie Compiler und ergänzende hardwarenahe Bestandteile wie Datenbanksysteme aber auch Virenscanner.

Anwendungssoftware soll die Aufgaben des Anwenders mit Hilfe von Computer-systemen bewältigen. In den betriebswirtschaftlichen Anwendungskontext gehören hierzu beispielsweise Rechnungswesen, Lieferkettenmanagement, Personalverwaltung, da man sich Unternehmen aufgrund des Kosten-Nutzen-Verhältnisses eine langfristige Rentabilität versprechen.

Man unterscheidet zwei verschiedene Arten von Anwendungssoftware:

Standardsoftware meint unternehmensübergreifend entwickelte Software. Sie ist in der Regel für den Massenmarkt konzipiert, allerdings gibt es auch Standardsoftware für kleinere Zielgruppen mit speziellen Bedürfnissen. Zu den drei bekanntesten global agierenden Unternehmen in diesem Sektor zählen SAP, Microsoft und Oracle. Allgegenwärtige Anwendungs¬beispiele sind unter anderem Tabellenkalkulation, Finanzbuchhaltung und Rechnungswesen. Neben dem Erwerb besteht noch die Möglichkeit, Software anzumieten.

Individualsoftware bezeichnet eine individuell angefertigte Softwarelösung. Dabei entsteht ein neuartiges Produkt gemäß den individuell formulierten Anforderungen. Hierbei muss das Unternehmen nicht zwingend eigene Entwickler bereitstellen; Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft werden in der Regel externe Programmierunternehmen mit der Entwicklung beauftragt.

Kommt eine explizite Festlegung nicht in Betracht, bietet sich eine Zwischenlösung an. Unter dem Prinzip „Buy, Customize and Integrate“ (vgl. Gadatsch, A. (2008), S.314) versteht man das Kaufen von Standardsoftware, die entsprechend den Anforderungen verändert und/oder ergänzt wird. Dabei greift ein Unternehmen auf die benötigten Module zurück.

3 Standard- und Individualsoftware im Vergleich

3.1 Vor- & Nachteile von Standardsoftware

In erster Linie besticht Standardsoftware durch einen geringen Anschaffungspreis und schnelle Verfügbarkeit, denn die Produkte werden bereits im Vorfeld unternehmensübergreifend entwickelt und die Stückkosten durch eine größere Kundenzahl relativiert. In der Regel versuchen Softwarehersteller, den Bedarf einer ganzen Branche mit einem Softwareprodukt abzudecken. Dadurch kann mit verhältnismäßig wenig ein breitbandiger Funktionsumfang gewährleistet werden.

Der zunächst notwendige Einführungsaufwand stellt für Unternehmen allerdings eine Hürde dar. Aufgrund der Orientierung an universalen Unternehmensstrukturen passt das Standardsoftwareprodukt in der Regel nicht nahtlos in ein bestehendes Unternehmen. Dieser Umstand wird oft zum Anlass genommen, eigene Geschäftsprozesse an moderne Industriestandards anzupassen, auch um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Unternehmen sicherzustellen. Hinzu kommt, dass oft auch neue Hardware angeschafft und die Mitarbeiter auf ein vollkommen neues System umgelernt werden müssen.

International agierende Unternehmen profitieren von den austauschbaren Sprachdateien, die meist bereits vorgefertigt ab Werk verfĂĽgbar sind.

Desweiteren unterliegt Standardsoftware der ständigen Weiterentwicklung des Herstellers, der seinerseits aufgrund des großen Kundenkreises ein umfangreiches Team zur Pflege bereitstellen kann. Somit sind Unternehmen stets auf dem neuesten Stand, was vor allem Gesetzesänderungen betrifft, die z.B. eine andere Vorgehensweise in der Buchführung erforderlich machen. Andererseits entsteht so eine Abhängigkeit vom Hersteller. Die SAP AG erwirtschaftet 40% ihres Umsatzes mit Softwarewartung (Vgl. Geschäftsbericht SAP AG (2008), S. 2). Dadurch, dass der Quellcode in der Regel nicht offen ist, sind selbstständige Änderungen nicht möglich.

3.2 Vor- & Nachteile von Individualsoftware

Individualsoftware erfordert ein weitaus größeres Budget als Standardsoftware, da die Entwicklung maßgeschneidert auf ein Unternehmen erfolgt. Dadurch muss es sich allerdings nicht selbst anpassen, sondern bestehende Aufbauorganisation und Geschäftsprozesse können als Basis für Sollkonzepte verwendet werden (Vgl. Gadatsch, A. (2008) S. 350). Damit ist eine fließende Einführung beim Austausch alter Software gewährleistet, sofern währenddessen keine anderen unvorhergesehen Probleme auftreten.

Bei Einsatz eines eigenen Entwicklerteams macht sich das Unternehmen gleichzeitig unabhängig von den etablierten Standardsoftware-Lieferanten und ist auch nicht von deren Lücken betroffen.

Befindet sich das Entwicklerteam im eigenen Hause, muss es ständig unterhalten werden und ist bei der Arbeitsstärke weniger flexibel, was bei der Implementierung von Änderungen problematisch werden kann, sobald vorübergehend eine große Entwicklerzahl benötigt wird.

Spezialanfertigungen werden aufgrund des individuell auĂźer Proportion stehenden Aufwands auĂźerdem nicht so detailliert dokumentiert.

Literaturverzeichnis

Laudon, K.; (2006): Wirtschaftsinformatik: Eine EinfĂĽhrung, Pearson Studium, MĂĽnchen

Rechenberg, P.; Pomberger, G. (2006): Informatik-Handbuch, 4. Auflage, Hanser Verlag

Stahlknecht, P.; Hasenkamp, U. (2005): EinfĂĽhrung in die Wirtschaftsinformatik, Springer Verlag

Fink, A.; Schneidereit, G.; VoĂź, S. (2005): Grundlagen der Wirtschaftsinformatik, Physica-Verlag

Balzert, H. (2000): Lehrbuch der Software-Technik – Software-Entwicklung, 2.Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin

Telch, I., (2008): Der richtige Weg zur Softwareauswahl, Springer, Berlin, Heidelberg

Gadatsch, A. (2008): Grundkurs Geschäftsprozess-Management: Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker, 5. Auflage, Vieweg+Teubner Verlag, Braunschweig

Hesse W., Keutgen H., Luft A.L., Rombach H.D. Begriffsystem fĂĽr die Software-Technik, in: Intformatik-Spektrum, Juli 1984

Popp,H (2004) Anwendungssysteme – betriebswirtschaftliche Standardsoftware URL:

http://www.bw.fh-deggendorf.de/kurse/infoman/skripten/kap03_2.pdf 06. Dezember 2009

Geschäftsbericht SAP AG (2008) http://www.sap.com/germany/about/investor/reports/gb2008/files/downloads/de/00-Geschaeftsbericht_2008-Vollstaendige_Version.pdf. 06. Dezember 2009

Glinz, M. (1998): Warum ist Ariane 5 beim Erstflug explodiert? http://www2.informatik.uni-jena.de/~nez/rechnerarithmetik_5/Ariane/fall studie_ariane_501.pdf. 06. Dezember 2009

Schlosser, H. (2009): Unwörter des Jahres seit 1991. http://www.unwortdesjahres.org/unwoerter.htm. 06. Dezember 2009

 
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